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„Corona free solo“

Alb-Extrem ganz allein „Corona free solo“

Foto: Hans-Ulrich Lay

Ein Zeller machte die Tour privat, die sonst Tausende fahren. Ein Erlebnis, auch wenn vieles fehlte.

Darauf verzichten wollte er nicht. Der Radmarathon Alb Extrem ist wegen Corona ausgefallen – Hans-Ulrich Lay (Foto) aus Zell hat die Strecke trotzdem unter die Räder genommen. Es steckt für ihn einfach Herzblut drin. Fast 5000 Kilometer Training, soviel wie nie, hat er dieses Jahr schon in den Beinen, und an seiner Schule, dem Schlossgymnasium Kirchheim, hat er als stellvertretender Schulleiter für die Alb Extrem getrommelt. 50 Teilnehmer wären’s geworden. Auch der Erste Bürgermeister von Kirchheim wäre dabei gewesen.
Ein paar „Freiheiten“ hat sich Lay für seine private Tour genommen. Er nahm den Samstag statt dem Sonntag, weil da das Wetter schlechter war. Dafür war er schon um 5 Uhr auf der Strecke, und mit Start in Bad Boll statt in Ottenbach. 215 Kilometer, 3600 Höhenmeter, rauf und runter, über die Alb und bis ins Remstal. Das Ganze hatte einen Namen: „Ich habe die Fahrt ‚Alb Extrem 2020.corona free solo’ genannt.“
Wie er es erlebte: „Die Solofahrt war deutlich anstrengender als sonst.“ Obwohl er doch so viel trainiert hatte. „Alleine ist halt etwas völlig anderes, als mit 3000 anderen Menschen zu fahren – 3000 Radler tragen einen mit“, berichtet er.
Gefehlt hat ihm vieles. Die grandiose Verpflegung der ehrenamtlichen Helfer rund um das Ottenbacher Team sei nicht durch einen Stopp beim Bäcker zu ersetzen. „Zudem ‚zwingen’ die fixen Verpflegungsstation auch zu sinnvollen Pausen, die ich selber, wenn ich alleine fahre, eher weniger mache.
Die Masse an Radlern habe natürlich auch gefehlt. „Allein der magische Moment im Wald, wenn um 5.30 Uhr alle in die Pedale klicken, ist durch nichts zu ersetzen. Zusätzlich wird man gefühlt auch die ersten 50 Kilometer von der Gruppe mitgezogen. Das spart Energie – auch mental.“
Mit Windschatten war es auch nichts. Die Fahrt über die Alb ab Langenburg Richtung Geislingen, ein „Flachstück“, wo man im Windschatten auch einmal Kraft schöpfen könne – diesmal musste Lay alleine dem Fahrtwind die Stirn bieten. „Das zehrt an der Kraft, kostet Körner und verlangt ständige ‚Willenslaystung’“, resümiert er mit eingebautem Wortspiel.
Und was das Radsportevent noch ausmacht: Es gab keine Zuschauer, die ihn anfeuerten, und keinen Pulk von wildfremden Leuten, die am Berg das gemeinsame Leiden teilten. „Und dann das Ziel“, sagt er, „das Erlebnis, ins Ziel zu kommen, und dann mit Freunden gemeinsam über den Tag zu plaudern, ist natürlich durch nichts zu ersetzen.“
Und dennoch: Lay empfand die Solotour als eine „wunderschöne extreme, vielleicht sogar noch extremere Fahrt und Erfahrung über unsere wunderschöne Alb.“